Die Wichtigkeit von Seilen im Seilbahnbetrieb
Anfang Januar hatte Garaventa einen umfassenden Serviceauftrag an der Seilbahn
Koblenz gestartet. Die Arbeiten umfassten die planmässige Verschiebung der Tragseile
beider Fahrbahnen sowie den erstmaligen Austausch des Zugseils. Zum Einsatz kam
dabei eine neu entwickelte Seilwinde.
Die Seilbahn Koblenz ist Deutschlands erste 3S-Bahn der Doppelmayr Gruppe und wurde als
Attraktion und umweltfreundliche Verkehrsverbindung für die Bundesgartenschau 2011 realisiert.
Seit Juni 2010 verbindet sie die Rheinanlagen bei der Basilika St. Kastor mit dem Plateau vor der
Festung Ehrenbreitstein. Die Anlage verfügt über 16 Kabinen und erreicht eine Förderleistung von
bis zu 3’800 Personen pro Stunde und Richtung. Ursprünglich war geplant, die Seilbahn Ende 2013
wieder abzubauen. Aufgrund ihrer hohen Beliebtheit blieb sie jedoch bestehen. Die
Betriebserlaubnis wurde in Etappen verlängert und läuft aktuell bis 2030. Die Verantwortlichen
rechnen mit einer weiteren Verlängerung.
Damit der Betrieb dieser Seilbahn Tag für Tag zuverlässig funktioniert, sind die Seile besonders
gefordert. Während die Tragseile mit einem Durchmesser von 54 Millimetern das Gewicht der
Kabinen tragen und die nötige Stabilität gewährleisten, bewegt das 42 Millimeter starke Zugseil
die Kabinen in einem gleichmässigen Tempo im Umlauf über die Strecke. Die Seile sind dabei
jährlich rund 2’700 Betriebsstunden im Einsatz. Eine solche Beanspruchung erfordert regelmässige
Wartungsarbeiten.
Sicherheit ist das A und O
Die Tragseile wurden planmässig verschoben, ohne dass Zwischenaufhängungen demontiert
werden mussten. Fahrbahn 1 wurde dabei um 16,5 Meter und Fahrbahn 2 um 19 Meter talwärts
verschoben. Die unterschiedlichen Verschiebelängen ergaben sich, weil die Stationssättel der
beiden Fahrbahnen nicht gleich lang sind. Es wurde jeweils nur so weit verschoben, wie es
technisch notwendig ist. Während des gesamten Verschiebevorgangs mussten die Tragseile zudem
magnetinduktiv geprüft werden. Damit wurde sichergestellt, dass mögliche Schäden oder
Veränderungen im Seilinnern frühzeitig erkannt werden.
Nach der Verschiebung wurden die Zwischenaufhängungen um die entsprechende Länge
bergwärts versetzt. Durch dieses Verfahren wurden Abnutzungen neu verteilt und besonders stark
beanspruchte Seilbereiche entlastet. Die Tragseile wurden an beiden Stationen fest abgespannt
und über Poller geführt. Das Verfahren hatte sich bereits bewährt und war in Koblenz schon 2015
und 2020 erfolgreich angewendet worden.
Gleichzeitig wurde erstmals seit der Inbetriebnahme auch das Zugseil ersetzt. Das bisher
verwendete 6-litzige Zugseil hatte in seinen 16 Einsatzjahren Millionen von Fahrgästen sicher über
den Rhein transportiert. Nun kam neu ein 8-litziges Zugseil zum Einsatz, das dank seiner Bauart
eine höhere Laufruhe sowie eine längere Lebensdauer bietet. Zwar wäre die Sicherheit des
bisherigen Zugseils weiterhin gewährleistet gewesen, doch weil für die Tragseilarbeiten ohnehin
schwere Geräte und Werkzeuge im Einsatz waren, liess sich dieser Schritt jetzt einfach mit
umsetzen. Anders als beim ersten Seilzug im Jahr 2010, der mit Hubschrauber und Schiffen
erfolgte, wurden das alte und das neue Zugseil heute direkt miteinander verbunden und
kontrolliert nachgezogen. Anschliessend folgte das Spleissen, also Verflechten der Drahtstränge
beider Enden miteinander, damit die Endlosverbindung entstand.
Der Kunde hatte zusätzlich weitere Instandhaltungsarbeiten beauftragt. Dazu gehörten neue
Gummieinlagen an den Umlenkscheiben in der Berg- sowie Talstation. An der Antriebsscheibe in
der Bergstation war hingegen eine spezielle Einlage erforderlich, da diese Scheibe die
Adhäsionskraft zwischen Seil und Scheibe überträgt. Eine Gummieinlage war hierfür ungeeignet,
da sie den erforderlichen Reibwert nicht erreicht.
Neu entwickelte Winde für enge Platzverhältnisse
Für die Seilarbeiten in Koblenz setzte Garaventa eine neu mitentwickelte ZECK-Winde ein. Die von
Garaventa und Hersteller ZECK GmbH entwickelte Winde ist auf Arbeiten in engen und schwer
zugänglichen Bereichen ausgelegt. Die Winde ist deutlich leichter als bisherige Modelle und in
einzelne Module zerlegbar. So lässt sie sich einfacher transportieren und gut verfrachten, auch für Einsätze auf anderen Kontinenten.
Die Winde ist darauf ausgelegt, Seile drallfrei zu ziehen und zu bremsen. Dabei sind Zug- und
Bremskräfte bis zu 15 Tonnen möglich. In Koblenz kam die Winde zum zweiten Mal zum Einsatz.
Zuvor war sie beim Seilzug der zweiten Linie Birg–Schilthorn des Projekts Schilthornbahn 20XX
eingesetzt worden, wo sie ihre Stärken unter Beweis gestellt hatte und anschliessend für den
Einsatz in Koblenz weiter optimiert wurde.
Die Seilbahn verläuft über eine stark frequentierte Strasse, eine Eisenbahnlinie und quert den
Rhein, über dem der Schiffs- und Güterverkehr durchgehend verläuft und nicht unterbrochen
werden kann. Während der Arbeiten mussten die Seile deshalb jederzeit in sicherer Höhe geführt
werden, damit weder der Strassen- und Bahnverkehr noch der Schiffsverkehr beeinträchtigt
wurden. Alle Arbeitsschritte wurden so geplant und ausgeführt, dass diese Verkehrswege
aufrechterhalten blieben.
Die Arbeiten verliefen planmässig, sodass die Seilbahn Koblenz ab dem 14. März 2026 ihren
Betrieb wiederaufnehmen kann.
35-TGD Seilbahn Koblenz (DEU)
Kunde: Skyglide Event Deutschland GmbH
Schräge Länge: 890 m
Vertikale Höhe: 112 m
Förderleistung: 3‘800 P/h
Fahrgeschwindigkeit: 4.5 m/s
Baujahr: 2010
Über Garaventa AG
Die Garaventa AG ist ein Schweizer Unternehmen mit Hauptsitz in Rotkreuz und
Zweigniederlassungen in Goldau, Uetendorf und Sion. Das Unternehmen ist der Schweizer Teil der
Doppelmayr Gruppe und hat sich als Kompetenzzentrum mit internationaler Ausstrahlung für
Pendelbahn-, Standseilbahn-, Materialseilbahn- und anspruchsvolle Seilzugarbeiten etabliert.
Garaventa ist verantwortlich für sämtliche Seilbahnprojekte der Doppelmayr Gruppe in der
Schweiz. Alle Funktionen und Kompetenzen für die Spezialbahnen werden der Gruppe von der
Schweiz aus weltweit zur Verfügung gestellt. In der Schweiz beschäftigt Garaventa rund 400
Mitarbeitende.
Copyright: Seilbahn Koblenz, Garaventa