Das Skifahr-Gen aktivieren!

Beim „Liftlerseminar“ der steirischen Seilbahnen am 1. April 2026 im Aiola im Schloss in Graz traf sich die Branche zum Saisonfinale und warf einen Blick nach vorn. Zwischen demografischem Wandel, neuen Zielgruppen und der Frage, wie sich das „Skifahr-Gen“ künftig aktivieren lässt, spannte sich der inhaltliche Bogen der Veranstaltung. Die Keynote lieferte Andreas Hausberger von der Bildungsdirektion Steiermark zur Rolle des Schulsports. Gleichzeitig markierte die Veranstaltung die offizielle Übergabe der Obmannschaft von Fabrice Girardoni an Daniel Berchthaller.

Blauer Himmel über Graz, frühlingshafte Temperaturen – und eine eigentlich winterliche Branche, die sich zum Saisonfinale versammelt hat, um Bilanz zu ziehen und nach vorne zu schauen. Dass das „Liftlerseminar“ der steirischen Seilbahnen heuer im April stattfand, passte gut. „Ich finde es eine tolle Sache, dass die Steirer ihre Veranstaltung am Ende der Wintersaison machen – sozusagen ein Erntedankfest“, meinte Franz Hörl, Fachverbandsobmann der Seilbahnen und aus Tirol angereist, mit einem Augenzwinkern. Zur Veranstaltung, zum letzten Mal begleitet vom scheidenden Fachgruppenobmann Fabrice Girardoni, waren hochkarätige Gäste gekommen, darunter Generalsekretär-Stellvertreter der WKÖ Thomas Spann, GF Bundessparte Transport und Verkehr Erik Wolf – der sich mit einer verdienten Ehrenurkunde heuer in den Ruhestand verabschiedet –, WK-Steiermark-Direktor Karl-Heinz Dernoscheg sowie Johann Spreitzhofer, Obmann der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft an der WKO Steiermark.

 

Ski-Nachwuchs, quo vadis?

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die wohl größte Frage, die die Branche weit über die Steiermark hinaus umtreibt: Wie schaut es aus mit dem Nachwuchs auf den Brett’ln? Einen analytischen Einstieg ins Thema lieferte Fabrice Girardoni, der die demografische Entwicklung und ihre Auswirkungen auf den Wintersport anhand einer Studie des Marktforschungsinstituts Manova skizzierte. Die zentrale Botschaft: Das Potenzial ist da, aber es wird sich verändern. Bis 2040 wächst die Bevölkerung in Österreich, gleichzeitig verschiebt sich aber ihre Zusammensetzung. „Wir haben künftig mehr potenzielle Gäste, aber andere als bisher“, fasste er zusammen. Der Knackpunkt liegt dabei in sozialen Dynamiken: Skifahren, so Girardoni, werde nach wie vor stark innerhalb der Familie „vererbt“, als gelebte Tradition, oft über Generationen hinweg. Doch dieser Mechanismus gerät ins Wanken. Mit dem steigenden Anteil von Menschen ohne Wintersportbezug wächst die Zahl jener, die später eher nicht auf den Brett’ln stehen. „Wenn wir es nicht schaffen, neue Kanäle zu aktivieren, verlieren wir“, warnte er – und bezifferte das mögliche Minus mit rund neun Prozent bis 2040. Gelingt es hingegen, neue Zielgruppen – insbesondere Menschen mit Migrationshintergrund – für den Wintersport zu begeistern, könne das aktuelle Niveau gehalten werden. Die Herausforderung sei also weniger ein Schrumpfen des Marktes als vielmehr seine Transformation: „Wir müssen das Skifahr-Gen aktivieren – bei mehr Menschen als bisher.“

 

Die Schule als Ski-Einstieg Nr. 1

Wie das gelingen kann, zeigte der anschließende Beitrag aus der Praxis: Andreas Hausberger, Fachinspektor für Bewegungserziehung und Sport an der Bildungsdirektion Steiermark, lenkte den Blick auf einen der wichtigsten Hebel: den Schulsport. Mit mehr als 50.000 teilnehmenden Schüler:innen jährlich sei die Schule „die größte Skischule Österreichs“, betonte er. Und: Sie ist oft auch die einzige. Denn während familiäre Skifahr-Traditionen brüchiger werden, gewinnt die „institutionelle Vermittlung“ an Bedeutung, sprich: Schulskikurse und Wintersportwochen. Dort gehe es für die Kinder außerdem nicht nur um Technik und Bewegung, sondern auch um Gemeinschaft, Selbstvertrauen und erste Erfahrungen fernab von zu Hause: „Diese Erlebnisse bleiben oft ein Leben lang in Erinnerung“, so Hausberger. Gerade für Kinder ohne familiären Bezug zum Wintersport sei dieser Erstkontakt entscheidend. Projekte wie „Kinder zum Schnee“ setzen hier an: Sie sind niedrigschwellig und gemeinschaftlich organisiert. „Wir müssen in den Volksschulen beginnen, am besten noch im Kindergarten, denn dort entsteht die Faszination für die Natur, den Schnee und die Bewegung“, betonte Hausberger. Dass die Nachfrage grundsätzlich vorhanden ist, zeigen die Zahlen: steigende Teilnehmer:innenzahlen bei Schulbewerben, große Resonanz auf Initiativen und eine hohe Inanspruchnahme von Förderprogrammen.

 

Live-Umfrage bestätigt Stoßrichtung

Die Ergebnisse einer Live-Umfrage mittels Smartphone, die während der Veranstaltung unter den Gästen lief, wurden am Ende enthüllt – und sie bestätigten die Analysen: Die Frage, wie die Teilnehmenden einen bestimmten Investitionsbetrag aufteilen würden, ergab folgendes Ranking: 1. Familienangebote, 2. Skikurse, 3. Internationale Gäste: alles in allem ein starkes Indiz dafür, in welche Richtung die Reise geht.

 

Obmannwechsel in der steirischen Fachgruppe

Mit dem Liftlerseminar wurde außerdem ein personeller Wechsel an der Fachgruppenspitze offiziell: Nach sieben Jahren übergab Fabrice Girardoni die Obmannschaft der Fachgruppe Seilbahnen an seinen Nachfolger Daniel Berchthaller, der als Geschäftsführer der Fageralm / Reiteralm viele Jahre Erfahrung in der Branche mitbringt. Fabrice Girardoni führt das Skigebiet Stuhleck in dritter Generation und stand seit 2019 an der Spitze der Fachgruppe. In „seine“ Zeit fielen nicht nur zentrale strategische Weichenstellungen, sondern auch herausfordernde Jahre, allen voran die Pandemie – und 6 Branchentagungen, 4 Liftlerseminare und 7 Schlepplifttage. „Du hast den Austausch unter uns forciert und wichtige Zukunftsthemen angestoßen“, so Berchthaller anerkennend über seinen Vorgänger. 

 

©Helmut Lunghammer