76 sbt 1 | 2024 Der überaus umtriebige wohlhabende Gastwirt Josef Staffler, Betreiber der Bahnhofgaststätten in Wörgl sowie Bozen und der Gaststätte „Zum Riesen“ in Bozen erwarb in dem Ortsteil Kohlern mit herrlichster Aussichtslage über dem Bozner Talkessel den „Uhlenhof“ und ließ das Herrenhaus in einen Höhengasthof umbauen. Damals war Kohlern entweder nur über einen zweistündigen Fußmarsch oder über einen holprigen Karrenweg zu erreichen. Geschichtlicher Hintergrund: Zu dieser Zeit entwickelte sich dank einer Erschließung des Bozner Talkessels per Eisenbahn (1859 Bozen – Verona und 1867 Innsbruck – Bozen über den Brenner) der Tourismus und auch der Güterverkehr (z.B. Export von Obst und Wein) in einem ungeahnten Ausmaß. Man erkannte auch die Notwendigkeit von Erschließungen in Richtung Bergwelt und so entstanden in kürzester Zeit im Umfeld der Stadt eine Dampfeisenbahn von Bozen nach Kaltern (1898), eine Standseilbahn von Kaltern auf die Mendel (1903, fährt –modernisiert- heute noch), eine Zahnradbahn von Bozen auf den Ritten (1907), die „Vigil – Standseilbahn“ und später (1912) die „Guntschna – Standseilbahn“. Und dieser umtriebige Gastwirt Josef Staffler war bereits im Jahr 1900 besessen von einer elektrischen „Luft – Seilbahn“ nach Kohlern. Nur das damalige kuk Eisenbahnministerium spielte nicht mit: „Im Hinblick auf das Nichtvorhandensein eines Gleises am Boden sei die Bahn… keine Eisenbahn und …falle nicht in den Zuständigkeitsbereich des Eisenbahnministeriums…“ Schlussendlich erhielt Staffler von der Bezirkshauptmannschaft Bozen die Genehmigung zum Bau eines „Drahtseilaufzugs“ für Materialtransporte unter Ausschluss der Personenbeförderung. 1906 wurde die Materialseilbahn kollaudiert. Die BH Bozen war aber offensichtlich sehr innovativ eingestellt und wäre einer Zulassung für Personenverkehr nach Verstärkung der vorhandenen (Holz-) Stützen und einer Fangvorrichtung für den Wagen nicht abgeneigt. Die Simmeringer Maschinen- und Waggonbaufabrik erhielt den Auftrag für den Umbau und so wurden 6 der insgesamt 16 Holz – PortaL -Stützen durch Stahlbauwerke ersetzt und die Fangeinrichtung für den Wagenkasten wurde in Form eines 2. Zugseils realisiert. Technische Daten der ersten Bahn: Streckenlänge: 1500 m Größte Neigung: 80 % Höhenunterschied: 795 m Kapazität: 6 Personen pro Kabine Fahrgeschwindigkeit: 1,6 m/s maximale Förderleistung: 24 Personen pro Stunde Antrieb in der Talstation: Gleichstrom – Nebenschlussmotor, 45 PS 1908 erhielt Staffler die BetriebsgenehNOSTALGISCHES Im Jahr 1906 entstand in Bozen die weltweit allererste Pendelbahn für Personenverkehr: Die „Kohlerer Bahn“ – damit wurde kurz nach dem Übergang vom 19. in das 20. Jahrhundert der Grundstein für eine unglaubliche Entwicklung im Bau von Seibahnen im Alpenraum gelegt. sbt entDie Kohlerer-Bahn in Bozen Die erste „Schwebebahn“ der Alpen. Die Bergstation mit der Kabine in der zweiten Ausführung der Kohlerer-Bahn. Bei der dritten Version kam ein Kuppengerüst zum Einsatz.
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